WG-Tipps

Erste WG zum Semesterstart: die ersten sieben Tage

7. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit Thomas Lorenz
Spießer Gartenzwerg beim Einzug in eine WG mit Schlüssel und Umzugskartons

Kurz gesagt

Die erste WG zum Semesterstart braucht in den ersten sieben Tagen kurze Absprachen über Essen, gemeinsame Einkäufe, Ruhe, Besuch und Putzen. Einigt euch zunächst auf private und gemeinsame Fächer, einen einfachen Umgang mit Kassenbons und einen Termin für einen Wochencheck. Schreibt auf, was ihr wirklich vereinbart habt. Danach könnt ihr Regeln ändern, die im Alltag nicht passen.

Beispiel: In einer neuen Dreier-WG in Leipzig kommen am Montag drei Umzugskisten, ein halbes Regal und vier Sorten Hafermilch an. Am Dienstag fehlt das Spülmittel, das alle benutzt haben. Am Mittwoch steht ein Gast im Bad, als jemand zur ersten Vorlesung muss. Keines dieser Probleme braucht eine große WG-Versammlung. Ein paar genaue Sätze reichen.

Wenn du gerade zum ersten Mal in eine WG ziehst, läuft parallel ohnehin viel: Stundenplan, neue Wege, vielleicht ein Nebenjob. Der erste gemeinsame Alltag sollte deshalb leicht zu ändern sein. Dieser Guide beginnt nach der Wohnungssuche und nach der Vertragsfrage. Für Mietvertrag, Kaution und Gründung gibt es die WG-Checkliste; für die Kosten beim Einzug den Artikel WG-Einzug: Kosten fair aufteilen.

Tag 1: Wo liegen private und gemeinsame Sachen?

Räumt Küche und Bad zusammen ein, bevor jemand allein alle freien Flächen beansprucht. Markiert ein Fach pro Person im Kühlschrank und mindestens ein Regalbrett für private Vorräte. Ein gemeinsames Fach reicht für Dinge, die ihr tatsächlich zusammen nutzt. Es muss nicht hübsch aussehen. Ein Stück Klebeband mit Namen ist besser als eine stillschweigende Annahme.

Fragt bei vorhandenen Dingen nach: Gehört das Salz der WG? Darf jede Person den Wasserkocher benutzen? Was ist mit Waschmittel und Toilettenpapier? Besitz und gemeinsame Nutzung sind zwei verschiedene Fragen. Wenn eine Person den Wasserkocher mitgebracht hat, müsst ihr ihn nicht sofort gemeinsam kaufen oder seinen Preis aufteilen.

Eine Regel für die erste Woche: Nimm aus einem privaten Fach nur etwas, wenn die Person es erlaubt hat. Geht etwas Gemeinsames leer, schreibt es auf eine gemeinsame Einkaufsliste. So wird aus "Ich dachte, das ist für alle" eine kurze Nachfrage, bevor das Frühstück verschwunden ist.

Tag 2 und 3: Wie kauft ihr ein, ohne alles gleichzuteilen?

Beim ersten Aldi- oder Rewe-Einkauf landet fast immer Gemischtes auf einem Bon. Müllbeutel, Brot, Duschgel, Nudeln und vielleicht ein Abendessen für zwei Personen. Teilt ihn nicht pauschal durch alle, wenn jemand die Hälfte nicht nutzt. Klärt möglichst vor dem Bezahlen, welche Artikel gemeinsam sind. Danach lässt sich der Bon leichter zuordnen.

SituationVorschlag für Woche 1Frage an die WG
Spülmittel und MüllbeutelGemeinsam kaufenBenutzen es alle?
Hafermilch und MüsliPrivates FachWurde Teilen verabredet?
Abendessen für zweiNur mitessende PersonenWer war eingeladen?
Öl und GewürzeEine Woche testenWollen alle einen gemeinsamen Vorrat?

Die Tabelle ist ein Beispiel. Manche WGs kochen fast täglich gemeinsam, andere treffen sich nur zufällig in der Küche. Beide brauchen andere Regeln. Entscheidet für den nächsten Einkauf, nicht für alle kommenden Semester.

Wer bezahlt, fotografiert den Kassenzettel und fragt bei unklaren Artikeln nach. Spießer kann den Bon scannen, Artikel zuordnen und Salden zeigen. Ihr könnt auch zunächst eine Notiz nutzen. Wichtig ist, dass jede Person sehen kann, was ihr zugerechnet wurde. Der Guide WG-Einkauf aufteilen zeigt dafür weitere Beispiele. Wenn ihr eine App ausprobieren wollt, fangt mit einem freiwilligen Test für einen Einkauf an.

Tag 4: Wie regelt ihr Besuch und ruhige Zeiten?

Jetzt kennt ihr vielleicht schon die ersten Vorlesungszeiten. Sprecht zehn Minuten darüber, wann jemand früh raus muss, wann gelernt wird und wie ihr Besuch ankündigt. Ein Satz wie "Sag Übernachtungsbesuch möglichst vorher in der Gruppe an" ist verständlicher als "Seid rücksichtsvoll". Für spontane Besuche kann eine kurze Nachricht reichen. Für eine Party oder mehrere Übernachtungen braucht es mehr Vorlauf.

Fragt auch, wie ihr Gemeinschaftsräume benutzen wollt. Darf jemand abends mit einem Gast die Küche lange belegen? Ist das Wohnzimmer ein Lernort? Wo kann telefoniert werden, ohne andere zu stören? Die Antworten ändern sich möglicherweise in der Prüfungsphase. Vereinbart deshalb keinen ewigen Standard, sondern einen ersten Versuch.

Wenn jemand Ruhe braucht, sollte er das ohne Begründungsroman sagen können. Umgekehrt darf Besuch nicht automatisch als Störung gelten. Schreibt einen Kompromiss auf, den alle verstanden haben. "Ab 22 Uhr Kopfhörer im Wohnzimmer, Besuch kurz ankündigen" ist testbar. Ob diese Uhrzeit zu euch passt, entscheidet eure WG.

Eine gute WG-Regel ist konkret genug für Dienstagabend und leicht genug, um sie am Sonntag zu ändern. "Mehr Rücksicht" sagt wenig; "benutztes Geschirr vor dem Schlafengehen wegräumen" sagt, was zu tun ist.

Tag 5 und 6: Wer putzt was wirklich?

Ein Putzplan scheitert oft daran, dass "Küche sauber machen" drei verschiedene Dinge meint. Für die erste Woche reicht eine kleine Liste: Arbeitsfläche nach dem Kochen abwischen, eigenes Geschirr zeitnah wegräumen, Bad einmal gründlich reinigen, Müll rechtzeitig rausbringen. Schreibt dazu, wer die Aufgabe zunächst übernimmt. Nach einer Woche seht ihr, ob eine Rotation sinnvoll ist.

Trennt Sofort-Aufgaben von Wochenaufgaben. Wer kocht, hinterlässt keine volle Pfanne für die nächste Person. Das Bad dagegen kann reihum gereinigt werden. Wenn eine Person am Wochenende nicht da ist, tauscht ihr den Dienst kurz, statt die Aufgabe still liegen zu lassen.

Plant nicht jeden Handgriff. Gerade neue WGs brauchen Raum, Gewohnheiten kennenzulernen. Ein Foto des fertigen Bads als Beweis wäre für viele mehr Kontrollgefühl als Hilfe. Fragt lieber: "Was bedeutet für dich sauber genug?" Die Antwort spart euch spätere Diskussionen über Haare im Abfluss und Krümel auf dem Tisch.

Bei Anschaffungen wie Putzmittel oder Schwämmen klärt ihr wieder die Kostenfrage. Wer etwas für alle kauft, sagt es vorab oder direkt danach. Für wiederkehrende Ausgaben hilft WG-Kasse einrichten; die laufenden Nebenkosten beschreibt WG-Nebenkosten aufteilen. Diese Themen müssen euren ersten Samstag nicht komplett füllen.

Tag 7: Welche Absprachen bleiben?

Trefft euch nach einer Woche für 15 Minuten. Jede Person nennt eine Sache, die gut klappt, und eine, die unklar blieb. Schaut auf den Kühlschrank, die Einkaufsliste und die offenen Beträge. Gab es Missverständnisse bei Lebensmitteln? Wurde Besuch früh genug angekündigt? Wer macht das Bad nächste Woche? Beantwortet nur die Fragen, die tatsächlich auftauchten.

  1. Schreibt private und gemeinsame Fächer in einer Chat-Nachricht fest.
  2. Legt fest, welche Einkäufe gemeinsam erfasst werden und wer den Bon prüft.
  3. Haltet eine konkrete Absprache zu Besuch und Ruhezeiten fest.
  4. Verteilt Küche, Bad und Müll für die nächste Woche.
  5. Setzt den nächsten kurzen Checktermin, zum Beispiel nach zwei Wochen.

Falls eine Regel schiefging, fragt nach dem Beispiel. "Am Donnerstag stand die Pfanne über Nacht auf dem Herd" lässt sich lösen. "Hier räumt nie jemand auf" bringt euch selten weiter. Eine neue WG muss nicht nach sieben Tagen fertig organisiert sein; ihr braucht nur einen Weg, kleine Probleme früh zu besprechen.

Suchst du noch ein Zimmer oder Informationen zu studentischem Wohnen, findest du beim Deutschen Studierendenwerk Hinweise zum Wohnen und zur Wohnungssuche. Für euren Alltag vor Ort helfen die Absprachen oben. Mehr zu Spießer und Thomas Lorenz findest du auf den jeweiligen Seiten. Bei gemischten Handys zeigt der Guide zu Android und iPhone, worauf ihr bei einer WG-App achten könnt.

Den ersten gemeinsamen Einkauf festhalten

Spießer ist für iPhone verfügbar. Android wird mit Testern vorbereitet.

Jetzt downloadenAndroid-Beta testen

FAQ

Was sollte eine neue WG in der ersten Woche besprechen?

Klärt zuerst, welche Lebensmittel gemeinsam sind und wo private Sachen liegen. Sprecht dann kurz über Besuch, Ruhezeiten, Bad, Küche und Putzen. Schreibt die Ergebnisse in wenigen Sätzen in euren WG-Chat und passt sie nach einer Woche an.

Wie teilt man Lebensmittel in der ersten WG?

Legt private und gemeinsame Fächer fest und entscheidet bei jedem gemeinsamen Einkauf, wer mitisst oder mitnutzt. Dinge wie Spülmittel könnt ihr gemeinsam tragen; die Hafermilch einer Person bleibt privat. Fragt bei unklaren Produkten vor dem Bezahlen nach.

Braucht eine WG sofort einen Putzplan?

Ein perfekter Plan ist am ersten Tag unnötig. Vereinbart aber, wer Küche und Bad in der ersten Woche übernimmt und was nach dem Kochen sofort weggeräumt wird. Nach sieben Tagen könnt ihr Aufgaben verteilen, die tatsächlich anfallen.

Wie spreche ich Besuch und Übernachtungen in einer neuen WG an?

Frag nach einer einfachen Vorwarnung für Übernachtungsbesuch und danach, wann Gemeinschaftsräume frei bleiben sollen. Geht von unterschiedlichen Bedürfnissen aus, besonders in Prüfungsphasen. Eine kurze Absprache ist besser als Regeln erst nach einem Streit zu erfinden.

Was tun, wenn eine Person die WG-Absprachen anders verstanden hat?

Sprecht einen konkreten Vorfall an und fragt, welche Regel die andere Person verstanden hat. Korrigiert die gemeinsame Notiz, statt Absicht zu unterstellen. Prüft beim nächsten Wochencheck, ob die neue Formulierung funktioniert.