WG-Auszug ohne Drama: Wie ihr offene Rechnungen sauber abrechnet
Kurzfassung: Beim WG-Auszug fallen vier Posten an, die sauber getrennt abgerechnet werden müssen: laufende Nebenkosten anteilig bis zum Auszugstag, offene gemeinsame Einkäufe, Kautionsanteil und Vertragsumschreibungen für Strom, Internet und Rundfunkbeitrag. Empfehlung: einen Stichtag etwa drei bis vier Wochen vor Auszug setzen, ab dem die ausziehende Person aus neuen Buchungen ausgeklammert wird. Am Auszugstag steht die Endabrechnung mit offenem Saldo. So gibt es später keinen Streit über Beträge, die sechs Monate zurückliegen.
Maximilian zog im März aus unserer Bochumer WG. Wir hatten zwei Tage vorher die letzte WG-Sitzung. Er meinte, "ich pack die Sachen, und Sonntag bin ich raus." Klang einfach. Was nicht einfach war: dass die Stromrechnung im April kam, die Nebenkostenabrechnung im Juli, und der Edeka-Großeinkauf von vorletzter Woche noch offen war. Drei Monate nach seinem Auszug stritten wir per WhatsApp über 47,80 Euro.
Das passiert in fast jeder WG. Auszug klingt nach "Möbel packen, Schlüssel abgeben, fertig." In Wirklichkeit ist Auszug ein finanzieller Abschluss, der vorbereitet werden muss. Wer das früh denkt, spart sich Monate später die unangenehmen Nachrichten.
Die vier Posten beim WG-Auszug
| Posten | Wer betroffen? | Zeitpunkt der Abrechnung | Typische Stolperfalle |
|---|---|---|---|
| Laufende Nebenkosten (Strom, Internet, GEZ) | Vertragsinhaber + Ausziehende | anteilig bis Auszugstag | Pauschalen statt Tagesgenauigkeit |
| Offene gemeinsame Einkäufe | Alle WG-Mitglieder | am Stichtag, ca. 3-4 Wochen vor Auszug | Buchungen nach Stichtag werden mitgenommen |
| Kautionsanteil | Ausziehende und Nachrückende | am Auszugstag oder bei Untermietvertrag-Übernahme | Übergabe nicht schriftlich festgehalten |
| Vertragsumschreibungen | Vertragsinhaber (falls Ausziehender) | vor Auszug | "Mach ich später" wird nie gemacht |
Schritt 1: Stichtag setzen
Drei bis vier Wochen vor dem Auszugstag einigt ihr euch auf einen Stichtag. Bis zu diesem Datum nimmt die ausziehende Person normal an allen gemeinsamen Einkäufen teil. Ab dem Stichtag wird sie aus neuen Buchungen herausgenommen, auch wenn sie noch in der WG wohnt. Klingt kleinlich, ist aber sauber: Drei Tage vor Auszug noch eine Großpackung Klopapier für die ganze WG mitzubuchen führt zu komischen Diskussionen, die niemand braucht.
In Spießer setzt du den Stichtag, indem du die ausziehende Person ab diesem Datum aus der Gruppe ausschließt. Bestehende Buchungen bleiben ihr zugeordnet, neue gehen nur an die verbleibenden Mitbewohner.
Schritt 2: Nebenkosten anteilig bis zum Auszugstag
Strom, Internet, GEZ und ggf. Versicherungen werden nicht mit dem Stichtag eingefroren, sondern bis zum tatsächlichen Auszugstag bezahlt. Begründung: Solange die Person die Wohnung nutzt, verursacht sie diese Kosten anteilig.
Rechenbeispiel, 3er-WG, Ausziehende verlässt die Wohnung am 18. April:
- Strom April: 120 € (12 Tage von 30 = 40 %, davon Drittel der Person = 16 €)
- Internet April: 35 € (12 Tage von 30 = 40 %, davon Drittel der Person = 4,67 €)
- GEZ April: 18,36 € (12 Tage von 30 = 40 %, davon Drittel der Person = 2,45 €)
- Anteil der ausziehenden Person: 23,12 €
Das gehört in den Endsaldo. Detail dazu im Nebenkosten-Aufteilungs-Post.
Schritt 3: Endabrechnung der gemeinsamen Einkäufe
Am Stichtag wird die Bilanz gezogen. Wer schuldet wem wieviel? Die ausziehende Person bekommt entweder Geld zurück oder zahlt offene Beträge an die verbleibenden Mitbewohner.
Sauberer Schnitt heißt: am Stichtag werden alle offenen Salden in eine konkrete Überweisung verwandelt. Nicht "ich überweise dir das nächste Woche" und auch nicht "verrechnen wir mit der Kaution". Konkrete Zahlung, am besten per PayPal oder Sofortüberweisung, mit Beleg in der WG-Gruppe.
Spießer macht diese Bilanz auf Knopfdruck und zeigt dir die minimale Anzahl an Überweisungen, damit alle bei null sind. Drei Sekunden statt drei Stunden Excel.
Schritt 4: Kautionsanteil und Nachmieter-Übergabe
Die Kaution liegt beim Vermieter, bis das Mietverhältnis insgesamt endet. In einer WG, wo nur eine Person auszieht, hat sie zwei Optionen:
- Nachmieter zahlt aus. Die nachrückende Person übernimmt den Kautionsanteil und überweist ihn an die ausziehende. Üblich bei stabilen WGs. Vorteil: schnelle Auszahlung. Nachteil: Nachmieter trägt das Risiko, falls am Ende Schäden abgezogen werden.
- Warten bis Mietende. Die ausziehende Person bekommt ihren Anteil erst, wenn die ganze Wohnung gekündigt wird. Üblich bei langlebigen WGs. Vorteil: Risiko bleibt bei der ausziehenden Person für ihren eigenen Anteil. Nachteil: Wartezeit oft mehrere Jahre.
In beiden Fällen: schriftlich festhalten, wer wieviel bekommen hat. Ein einfaches Word-Dokument mit Datum und Unterschriften reicht.
Schritt 5: Verträge umschreiben
Wenn die ausziehende Person Strom-, Internet- oder GEZ-Vertragsinhaberin war, muss der Vertrag vor Auszug umgeschrieben werden. Sonst läuft der Vertrag weiter auf ihren Namen, und sie haftet für Rechnungen, die sie nicht mehr nutzt.
Checkliste vor Auszug:
- Stromvertrag: online über das Kundenportal umschreiben, neue Hauptmieterin als Vertragsinhaberin, schriftliche Bestätigung anfordern
- Internet/DSL: gleicher Prozess. Manche Anbieter brauchen Identifikation per Post, also rechtzeitig anstoßen
- GEZ: Rundfunkbeitrag-Status-Änderung über die ARD ZDF Deutschlandradio-Beitragsservice-Webseite, neue Person als Anmelderin
- Haushaltsversicherung: nur falls vorhanden, ähnliche Logik
- Streaming-Abos: wenn auf den Namen der Ausziehenden, entweder kündigen oder übertragen
Die schlechteste Variante: alles "später" klären
Die häufigste Quelle für Streit nach einem WG-Auszug ist nicht der eigentliche Konflikt, sondern das Verschieben. "Wir machen die Abrechnung, wenn ich umgezogen bin." "Den Kautionsanteil klären wir, wenn das Geld da ist." Beides funktioniert nicht. Wer aus einer WG ausgezogen ist, hat den nächsten Lebensabschnitt im Kopf und keine Lust mehr auf Rückwärtsbuchhaltung.
Konkreter Tipp aus 30+ WG-Gesprächen mit Beta-Testern: Macht den Termin für die Endabrechnung mit Datum und Uhrzeit, am besten am Auszugstag selbst. Wer im Mai auszieht, klärt am 30. April. Nicht im Juli, wenn die Stimmung kippt.
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Wie rechnet man eine WG beim Auszug sauber ab?
Bei einem WG-Auszug fallen vier Posten an: laufende Nebenkosten anteilig bis Auszugstag, offene gemeinsame Einkäufe, Kautionsanteil und Vertragsumschreibungen. Empfehlung: drei bis vier Wochen vor Auszug einen Stichtag setzen, alle Konten zu diesem Datum bilanzieren und in einem schriftlichen Übergabe-Protokoll festhalten.
Wer zahlt die letzten Einkäufe, wenn jemand auszieht?
Alle Einkäufe, die vor dem Stichtag stattfanden und an denen die ausziehende Person teilhatte, gehen zu ihren Lasten anteilig. Faustregel: Datum der Buchung zählt, nicht das Datum der Verrechnung. Tools wie Spießer ziehen einen Stichtag-Strich und exportieren die Schlussbilanz.
Wie wird die Kaution in der WG aufgeteilt?
Wenn alle Mitbewohner gemeinsam Mieter sind, hat jede Person Anspruch auf ihren eingezahlten Anteil. Bei Auszug zahlt entweder der Vermieter direkt zurück (selten) oder die nachrückende Person übernimmt den Anteil und überweist ihn an die ausziehende Person. Schriftlich festhalten, wer welchen Betrag zahlt.
Was passiert mit dem Strom- oder Internet-Vertrag, wenn der Vertragsinhaber auszieht?
Der Vertrag läuft auf die ausziehende Person weiter, bis er umgeschrieben oder gekündigt wird. Empfehlung: vor Auszug eine andere langfristig bleibende Mitbewohnerin als neuen Vertragsinhaber eintragen lassen. Strom und Internet bei den meisten Anbietern online umschreibbar.
Wann sollte die WG-Endabrechnung gemacht werden?
Sinnvoll ist ein Stichtag drei bis vier Wochen vor Auszug. Bis dahin werden alle laufenden Einkäufe normal eingetragen, ab dem Stichtag wird die ausziehende Person aus neuen Buchungen ausgeklammert. Die Endabrechnung selbst sollte spätestens am Auszugstag stehen.